From Squaring the Circle to Electoral Reform? Negotiations over Electoral Law in the 19th German Bundestag

Abstract: Since the 2017 German Federal Election, the electoral system has once more been criticized because it allows to significantly exceed the minimum number of mandates. In order to open avenues for electoral reform, the President of the Bundestag initiated an informal working group comprising members from all parliamentary groups. As we know little about how electoral reforms are negotiated within parliament, this article examines how negotiations between parliamentary groups take place and which interests are pursued. Based on the approach that explains electoral reforms by actors’ self‐ interest and values, the study builds on interviews with four MPs who served as working group members. Since all members are aware of parliamentary groups’ and MPs’ self‐interest when it comes to electoral law issues, they chose to involve the Federal Election Official in the negotiations. While self‐interest explains the parliamentary groups’ general electoral system preference, values impact the preferred nuanced design.


Zusammenfassung: Das Bundestagswahlrecht ist seit der Wahl 2017 durch die deutliche Überschreitung der Mindestmandatsanzahl wieder vermehrt Gegenstand von Kritik. Um die Möglichkeiten einer Wahlsystemreform auszuloten, initiierte der Bundestagspräsident eine informelle interfraktionelle Arbeitsgruppe, die aus Mitgliedern aller Fraktionen bestand. Weil wenig über die parlamentarischen Verhandlungsprozesse im Kontext von Wahlsystemreformen bekannt ist, nimmt dieser Beitrag in den Blick, wie die Fraktionen in der 19. Wahlperiode über das Wahlrecht verhandelt und welche Interessen sie dabei verfolget haben. Hierzu wurden mit vier Mitgliedern der Arbeitsgruppe Interviews geführt. Die Ergebnisse von Wahlsystemreformen können mit dem Eigeninteresse und den Wertvorstellungen der Akteure erklärt werden. Da sich die Mitglieder dem Eigeninteresse der Fraktionen und Abgeordneten bei Wahlrechtsfragen bewusst waren, zogen sie externe Expertise, wie den Bundeswahlleiter, in ihre Verhandlungen mit ein. Während man mit dem Eigeninteresse der Fraktionen die allgemeine Wahlsystempräferenz erklären kann, waren die Wertvorstellungen entscheidend für die konkrete Ausgestaltung der Fraktionspräferenzen.


This paper has been published in the German journal “Zeitschrift für Parlamentsfragen”: https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/0340-1758-2019-3-478/von-der-quadratur-des-kreises-zur-wahlsystemreform-verhandlungen-ueber-das-wahlrecht-im-19-deutschen-bundestag-jahrgang-50-2019-heft-3?page=1&select-row=abstract